Verkehrskonzept Alzenau-Elze (Stadtratssitzung 28. Juli 2011)

31. Juli 2011

 

Stellungnahme der FDP Alzenau zum Verkehrskonzept Alzenau-Elze

Das Konzept ist in sich schlüssig, enthält aber nach Meinung der Alzenauer Liberalen noch einige Knackpunkte und muss in einem größeren Zusammenhang betrachtet werden.

Knackpunkte:

a.     Brentanostraße

  • Die Brentanostraße wird ggü. dem Prognose-Nullfall im mittleren Teil zwischen Rodenbacher Straße und Dieselstraße in der Variante 6 entlastet (um 300 Kfz – S.35). Das kann u.M.n. nicht „im Sinne des Erfinders“ sein.
  • Brentanostraße müßte u.M.n. mehr belastet werden, um die anderen Straßen des Quartiers zu entlasten.
  • Grund: Erschließungsstr. eines Gewerbegebietes, auf der einen Seite die Bahnschienen und auf der anderen Seite so gut wie keine Wohnanlieger.
  • Die Brentanostraße gilt im Verkehrskonzept von Modus Consult als Hauptsammelstrasse – wie die Dieselstr.
  • Aber es sollen hier Engstellen (5,50 m) eingebaut werden (aber: Dieselstr. durchgängig 6,20m Fahrbahnbreite!) statt Platz für an- und abfließenden Verkehr zu bieten
  • Das Gestaltungskonzept sieht parkähnliche Gestaltung entlang der Bembelschienen und auf der anderen Straßenseite (etwa vor der Fa. Scholz) noch eine zusätzliche Baumreihe vor. Mir leuchtet es nicht ein, warum in einem Gewerbegebiet noch die Aufenthaltsqualität im Straßenbereich gesteigert werden soll, wo keiner wohnt und auch keiner den Wunsch hat dort lange zu verweilen.
  • Sinnvoller erschiene es uns, hier vielmehr die Fahrbahn noch zu verbreitern, um die Verkehrsströme aufzunehmen, die an anderer Stelle abgezogen werden sollen.
  • Auch könnte ich mir hier zusätzliche Parkmöglichkeiten für Autos und LKW vorstellen in Absprache mit den dortigen Unternehmen. Dafür könnte der dort vorhandene Grünbereich sogar noch eingeschränkt werden.

b.     Verkehrsberuhigung im Bereich Gymnasium

  • Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir können uns doch nicht hier hinsetzen und „am grünen Tisch“ Verkehrsberuhigungsmaßnahmen wie Tempo 20 oder Fahrbahnumgestaltungen beschließen, ohne dass da oben überhaupt jemand etwas davon mitbekommen hat!
  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass die dortigen Anwohner ggü. des Gymnasiums, die z.Zt. zumindest ein bisschen durch die Parkreihe und die Begrünung von den Zu- und Abfahrtsströmen der Schule geschützt sind, es gut finden würden, wenn die Durchfahrtstraße näher an ihre Wohnhäuser heranrückt.
  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass die dortigen Anwohner es gut finden würden, wenn sie erst eine Fahrbahn überqueren müssten, um zu ihren Autos zu gelangen, die – wie ich Sie verstanden habe - mitten auf der jetzigen Fahrbahn „bewusst zur Minderung der Durchfahrt­geschwindigkeit angeordnet“ wurden.
  • Die Straßenführung am Gymnasium, die An- und Abfahrtsproblematik der Schule sollten wir hier nicht alleine als Stadt und nicht nur unter dem Aspekt der Verkehrsberuhigung sehen.
  • Hier hätte ich mir gewünscht, dass vorher Gespräche geführt werden: die Schule (d.h. Schulleitung/Lehrer/Eltern/Schüler), die Busunternehmen, die Anwohner und nicht zuletzt die Straßennutzer=unsere Bürger – alle müssen mit ins Boot genommen.
  • Das alles erfordert noch einen großen Abstimmungsbedarf, bevor mit unserer Entscheidung für „Variante 6“ schon einmal Pflöcke eingeschlagen werden, hinter die man später schlecht zurückkommt.

Größerer Zusammenhang:

c.      Grundlage der Verkehrsstudie ist Situation 2009

  • Damals ganz andere Ausgangslage. Damals gab es noch keine Tempo 30-Regelung für die Hanauer Straße
  • Die Einführung von Tempo 30 auf dieser „städtischen Hauptverkehrsstraße“ (lt. Straßenhierarchieplan) hat zu einer Verdrängung der Fahrzeuge aus der Hanauer Str. hin zur Brentanostraße geführt (da hier noch Tempo 50 gilt).
  • Daher bin ich der Meinung, dass die Basiswerte, die hier der Studie zugrunde gelegt und die dann hochgerechnet werden, heute nur noch begrenzt Gültigkeit haben und daher nicht mehr als belastbare Basis dienen können.

d.     Informationspolitik

  • Die breite Diskussion in der Öffentlichkeit und der Aufschrei unserer Bevölkerung zur Tempo 30-Regelung im Frühjahr dieses Jahres sollte uns eigentlich eine Lehre gewesen sein. 
  • Leider ist die öffentliche Ankündigung unserer Pläne nun wieder nur suboptimal umgesetzt worden!
  • Es stimmt, wie es in der Beschlussvorlage steht, dass die Verkehrskonzeption für Bereich Elze in der Stadtrat-Sitzung am 22.9.10 sowie in der Bürgerversammlung in Alzenau am 29.11.10 vorgestellt worden ist.
  • In der Ankündigung der Bürgerversammlung wurde jedoch mit keinem Wort erwähnt, dass hier auch ein neues Verkehrskonzept vorgestellt werden soll, siehe Stadtblättchen „Alzenau Aktuell“!
  • Damit lässt vielleicht erklären, dass sich nur 28 Bürgerinnen und Bürger eingefunden hatten.
  • Ich bin davon überzeugt, dass die Ankündigung der Vorstellung eines neuen Verkehrskonzepts heute ein Vielfaches an Bürgern in die Versammlung locken würde, da unsere Bürger heute nach Einführung von Tempo 30 wesentlich sensibler hinsichtlich Verkehrsfragen geworden sind.

 e.     Ergänzende Zählung zu Hauptverkehrszeiten

  • Einer der in der o.g. Bürgerversammlung anwesenden Bürger monierte damals, dass die Verkehrszählungen nur in der Zeit 15-19 Uhr stattgefunden hätten. Er wünschte sich eine Verkehrszählung die den Berufs- und Schulverkehr am Morgen (Hauptverkehrszeit) mit einschließe.
  • Eine solche ergänzende Zählung wurde lt. Protokoll von Bürgermeister Scharwies den Anwohnern zugesichert.
  • Diese Bürgerforderung möchte ich ergänzen, und fordere eine komplett neue Zählung der Kfz im Jahr 2011 nach Einführung von Tempo 30.

Die Einführung der neuen Tempo-Regelung ist noch keine 3 Monate alt: da können wir nicht schon die nächste Verkehrsregelung in Angriff nehmen.

Nach Meinung der Alzenauer Liberalen muten wir unseren Bürgern in verkehrstechnischer Hinsicht schon genug zu. Jetzt sollten wir die neuen Verkehrsregelungen erst einmal „sacken“ lassen in der Bevölkerung – zumal ja auch die Tempo-30-Regelung noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden.

Fazit: Zum jetzigen Zeitpunkt und mit dem jetzigen Kenntnisstand, d.h. ohne Neubewertung des Verkehrs auf der Hanauer Straße und der Brentanostraße und angesichts der bislang fehlenden Einbeziehung aller Betroffenen der Straßenführung am Gymnasium, sehen wir uns nicht in der Lage, einen Beschluss über die weiteren Detailplanungen zu fassen, weil dadurch Pflöcke eingeschlagen werden, hinter die wir später nur schlecht wieder zurückgehen können.

 

Abstimmungsergebnis in der Stadtratssitzung am 28. Juli 2011:

2 Stadträte (Jeanette Kaltenhauser, Dr. Rolf Ringert) stimmten gegen und 20 Stadträte stimmten für die Einführung der „Variante 6“ (Einbahnstraßenregelungen in Rodenbacher Str. und Dieselstr. sowie verkehrsberuhigte Umgestaltung im Bereich Gymnasium ab November 2011 mit „Probelauf von 6 Monaten“).


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